Bilder der Reparatur vorderes Getriebe Syncro

Schon lange hörte ich während der Fahrt mit meinem Syncro eigenartige Geräusche und ein Rumoren im vorderen Getriebe. Ist wohl etwas, bei dem es jedem Busfahrer “eiskalt den Rücken hinunterläuft”. Schliesslich hob ich den Bus auf einem Lift in die Höhe und liess ihn laufen. Dies nahm mir die letzten Zweifel, ob nun wirklich eine Revision des vorderen Getriebes notwendig ist … das Getriebe tönte ganz ähnlich “wie eine Motorsäge”. Zum Glück habe ich schon jene Getriebewerkzeuge und durfte mal beim Getriebe revidieren dem VWBusForum Mitglied Trilobyte (Siegi) über die Schultern gucken, sodass ich mich fit fühlte, die Revision selber an die Hand zu nehmen.

Der Ausbau des Getriebes lief locker und zügig über die Bühne, dank der tatkräftigen Mithilfe eines lieben Kollegen und unter Zuhilfenahme eines Getriebehebers, der sich als genial erwies. Bis jetzt ist das Getriebe mehr oder weniger gänzlich auseinandergenommen und ich warte auf Ersatzteile und einige Spezialwerkzeuge. Von der Reparatur, so wie sie bis jetzt lief, habe ich viele Fotos gemacht, von denen ich auf Anfrage von einigen Forumsmitgliedern die eine oder andere hier zeigen möchte.

Nachdem nun das Getriebe ausgebaut war, musste als erstes das Getriebeöl abgelassen werden:








an der unteren Oelablassschraube ist ein Magnet eingebaut, der lose Metallteile “gefangen” hält, sodass sie möglichst keinen Schaden mehr anrichten können. Da lagen einige grössere Teile drin :frowning:








mehr Bilder morgen…

weiter gehs mit dem Abziehen der Gelenkflansche
in einzelnen Schritten:

Aushebeln der Verschlusskappe:



Lösen des Sicherungsringes:



Abziehen mit selbstgebasteltem Abzieher:



Da hat sich einiges an Staub, Strassendreck und Oel angesammelt :angry: :cry:
:gruebel:





So und nun zum Kardanwellenflansch:

das Lösen der Mutter erwies sich als extrem streng - das Ding war vorerst nicht zu lösen… und leider hatte ich meine grösste Rätsche nicht bei mir. Die wär etwa doppelt so lange gewessen und dann wärs vermutlich geglückt.



zum Glück hat die Kollegin, deren Werkstatt ich hier mitbenutzen darf, einen Schlagschrauber in ihrem Werkzeugkasten…



und damit gings dann locker. Nun wird der Flansch abgezogen.





weiter geht mit der Demontage des hinteren Getriebegehäuse-Teils




dies legt den Blick auf die Flanschwelle und auf die darunterliegende Viscokupplung frei




Blick von unten in die Viscokupplung




und hier ist die Mechanik der Tacho-Entnahme zu sehen




als nächstes wurde nun der vordere Getriebedeckel entfernt. Dies legt den Blick frei auf das Differenzial und die Schaltmechanik der Diff-Sperre:



das Differenzial soll als nächstes demontiert werden. Dazu müssen zuallerest die Tiefen der Lagerringe gemessen werden. Zudem werden die genauen Stellungen der Lagerringe mittels eines Meissels, Reissnadel oder breiten Schraubenziehers, der uber Lagerring und Gehäuse geschlagen wird, festgehalten. Die eingeschlagene, feine Kerbe ist auf dem Bild deutlich sichtbar. Der rechte Lagerring weist eine Tiefe von -0,65 mm auf



der linke Lagerring misst -0,85 mm Tiefe. Falls nun die Lager des Differenzials nicht gewechselt werden, kann prinzipiell das ganze wieder gleich eingebaut werden. Doch ich werde die Lager wechseln. Die gemessenen Werte werde ich aber als Startwerte für die neue Einmessung nehmen. Da muss ich mit etwas Glück dann auch nicht mehr viel ändern.
Linker Lagerring:



Nun heisst es raus mit den Lagerringen. Doch diese sassen ganz deftig fest. Einmal mehr bedauerte ich, dass ich die lange Rätsche in der Einstellhalle in Altdorf liegen liess… :-k Zum Glück hilft auch da Violas Schlagschrauber weiter:



und draussen wars:



Blick auf das Kegelrad, das ins Tellerrad des Differenzials eingreift:



Zu dessen Demontage braucht es eine ganz spezielle (und teure) Stecknuss:



Doch hier gings nicht mal mit Zuhilfenahme des Schlagschraubers weiter, da das Gewinde leider beschädigt war. Erst als ich schliesslich noch die Lötflamme benutzte, um das Gehäuse etwas aufzuwärmen, hatte ich schliesslich und schlussendlich dann doch noch Erfolg:



astrein der beitrag! sehr spannend zu verfolgen. ich wünsch dir schon mal gutes gelingen der reparatur.
deine aus und ein press büchsen dreh ich dir hoffentlich heute, ist ein wenig abhängig davon ob der kleine heute trotz zahnen mal schläft :confused:

gruss
siegi

@siegi: danke vielmals für deine Hilfe. Ich weiss nicht, ob ich ohne deinen Beitrag das Projekt überhaupt durchziehen könnte. Drehbank und Frästisch fehlen in unserer Werkstatt leider, da die Werkstatt zu einer Schreinerei gehört.

weiter gehts mit dem Auspressen des Trieblings:





das ging für einmal ganz einfach und ohne jeglichen Knorz




hinten auf der Welle des Trieblings ist die Zahl 224 eingraviert. Dies ist die Paarungsnummer des Triebsatzes. Tellerrad und Triebling gehoren fest zueinander und sind aufeinander abgestimmt mit genau angegebener Distanz des Kegelrades von der Achse des Tellerrades. Mehr dazu später

der kleine hat gut geschlafen und so konnte ich mit dem babyphone in die werkstatt runter.
also einen alu rugel zugesägt:



minuten später:

neue wendeplatte in den halter gespannt:

ein anderes stück alu hab ich noch passend im materiallager gefunden:

schon fliegen die ersten späne:

zuerst plandrehen

dann längs auf 58mm überdreht:


vorbohren:

und schon kommt der neue bohrer den ich letzte woche gekauft hab zum einsatz:

wusste doch dass ich den mal brauchen werde ,-)

vollgas:


gibt schöne späne ,-)

smokin bohrer :mrgreen:


keine angst, der ist nicht sehr heiss, aber das wd 40 was ich zum schmieren genommen hab verdunstet schnell.

ausdrehen:


hier ausgedreht auf durchmesser 51mm vorne ca 4mm noch auf durchmesser 52. leider hats im letzten moment beim ausdrehen der kleinen stufe angefangen zu schwingen. oberfläche sieht nun leider scheisse aus :frowning:
das tut der funktion aber keinen abbruch.

die nächsten beiden werkzeuge hab ich aus einem stück gefertigt.
hier der zugesägte klotz:


bereits plan gedreht und hier schon fertig:

durchmesser auf der einen seite 71.8 und auf der andern seite 79.8.

@Peter: passt das so?
wenn nicht bitte bescheid geben!

dein triebling ist leider noch nicht angekommen.

gruss
siegi

ich finde das sieht super aus :smile: Aber ist schon so, dass wenn man selber was macht, stört einem bereits die kleinste Differenz zum “Kunstwerk” , so dass man es am liebsten gleich wieder fortschmeissen würde (mir geht es wenigsten so … :unamused: )

Der eine link auf ein Bild, den du angibst führt bei mir lediglich zu einem 404 not found error. Auf dem unteren Bild sieht das 79.6 und 71.8mm Aus-/Eindrückwerkzeug aber total gut aus !

Das Paket wird vermutlich morgen ankommen. Ich habs zwar mit A-Post aufgegeben, aber heute war ein Feiertag bei uns in der Innerschweiz, oder gar in der ganzen Schweiz ???

Danke für alles !

PS: fetter Bohrer, den du da eingespannt hast :open_mouth: :open_mouth: wie gross ist sein Durchmesser ?

auch der darf mal eins “smoken” :smiley:

das bild sollte jetzt sichtbar sein, hab mich vertippt.

der bohrer ist ein 32er. grössere gibts nicht mehr mit MK3 Konus, Mk3 ist das grösste was ich noch spannen kann im Reitstock.

gruss
Siegi

Der Thread gefällt mir. Weiter so! Solch ausführliche Bilderberichte sind immer interessant zu lesen.
Hast du eine Vermutung, oder weisst du, was defekt ist und Geräusche verursacht, oder werden einfach alle Verschleissteile ersetzt?

@Sigi
Ich beneide dich um deine Werkstatt! Ich träume immer noch von einer Drehbank, einer Fräsmaschine und dem passenden Platz dazu. Wenn du nicht so weit entfernt wärst, würde ich mich bei dir einmieten. :stuck_out_tongue:

Gruss Rafael

meine werkstatt misst grad mal 18qm! platz optimal genutzt \:D/

gruss
siegi

so ganz genau welches Teil die Geräusche nun verursacht kann ich letztlich nicht mit Bestimmtheit sagen. Wenn man ein Getriebe öffnet ist da nicht irgendwo angeschrieben, welches Teil defekt ist. Mit Sicherheit konnte ich dies nur beim Doppelkegelrollenlager feststellen. Dieses hat ein deutlich spürbares Spiel und dürfte eigentlich kein Spiel haben, und sonst muss man es gemäss Reparaturhandbuch auswechseln. Die anderen Lager wüsste ich nicht, wie ich die nun genau testen sollte. Am ehesten ginge dies noch bei den Rillenkugellagern. da könnte ich die Flanschwelle draufpressen und dann testen, ob ein Spiel da ist. Ich weiss aber nicht, ob und wieviel Spiel da zulässig ist …

Zum anderen sind die vorletzten Besitzer des Busses (Militär) mit dem Bus und insbesondere mit Motor und Getriebe aufs Aergste verfahren. Das hintere Getriebe hatte ich schon vor einigen Jahren gegen ein anderes, teilrevidiertes ausgewechseln müssen und den Motor habe ich vor zwei Jahren ausgewechselt. Von daher finde ich es das beste, wenn ich gleich alle Lager, Dichtungen und sonstigen Verschleissteile auswechsle.

ich vermute dann liegts an dem doppelkegelrollenlager. haben triebling und tellerrad keinen schaden genommen?
die andern kugellager kosten ja nicht viel, die würd ich auch gleich sowieso ersetzen.

alles in allem scheint so ein vorderachsgetriebe ja noch ziemlich überschaubar ,-)

gruss
siegi

Als nächstes öffnete ich die Schrauben des Differenzialgehäuses und klopfte das Tellerrad mit Hammer und dickem Splintentreiber ab. Ging alles erstaunlich easy. Darauf entfernte ich das eine Rillenkugellager:



Nach dem ich das Getriebe offen hatte, kam nun das Rillenkugellager auf der anderen Seite dran. Dies geht nur mit Spezialwerkzeug, das sich aber leicht selber basteln lässt. Das Lager lässt sich durch zwei Löcher hindurch von hinten auspressen:



[quote=“Trilobyte”]ich vermute dann liegts an dem doppelkegelrollenlager. haben triebling und tellerrad keinen schaden genommen?
die andern kugellager kosten ja nicht viel, die würd ich auch gleich sowieso ersetzen.

alles in allem scheint so ein vorderachsgetriebe ja noch ziemlich überschaubar ,-)

gruss
siegi[/quote]

bei Triebling und Tellerrad konnte ich soweit keinen Schaden feststellen. Ich werde morgen aber (wenigstens so geplant …) sämtliche Getriebeteile noch systematisch genau unter die Lupe nehmen um eventuel bis jetzt nicht festgestellte Haarrisse ausfindig zu machen.

Das vordere Getriebe ist gegenüber dem hinteren auf jeden Fall sehr, sehr überschaubar - kein Vergleich mit der Reparatur, die du damals bei dir draussen hattest. Da ist dies vergleichsweise ein easy-job <img src="/uploads/default/original/1X/899b2c331f8cc02517f77948602974610a95f952.gif" width=“22” height=“16” alt=":-"" title=“Whistle”/>

Eine Totalrevision ist auf alle Fälle das beste, insbesondere wenn du es zum Hobby machst. Dass das Getrieb nicht sagt, wo es weh tut ist schon klar. Aber vielleicht liess das Geräusch oder die Herkunft des Geräusches eine Diagnose zu, die sich vielleicht sogar mit bekannten Schwachpunkten deckt. Viele Möglichkeiten gibt es im Vorderachsgetriebe ja nicht. Wenn das Kegelrollenlager defekt, aber das Kegel- und Tellerrad noch heil ist, hast du tatsächlich Glück. Ich hatte ein Getriebe mit einigen Millimetern Spiel am Kegelrollenlager hier (jetzt ist es bei Sigi). Da war das Tellerrad in einem erbärmlichen Zustand, weil sich die Räder durch das Spiel verkannten konnten.

@Sigi
Auch wenn die Werkstatt klein ist, ist die Ausstattung doch sehr umfangreich!

Gruss Rafael

schliesslich entfernte ich die Achse der kleinen Ausgleichskegelräder, sodass das Differenzial auch noch seine letzten Innereien freigibt:



und so schaut nun das geöffnete Differenzial aus:





dem routinierten Auge wird aufgefallen sein, dass ich beim “zwegbüschelen” der Einzelteile auf dem letzten Bild das eine kleine Kegelrad falsch rum hingelegt habe. “Die Redaktion lässt dies vielmals entschuldigen” :smiley: :smiley:

Es folgen zwei Bilder der Inschriften, die auf dem Rand des Tellerrades angebracht sind:



Die Zahl 224 bezeichnet wiederum die Paarungsnummer des Triebsatzes, wie zuvor schon beim Triebling darauf hingewiesen.

Was das “g”, oder was so ausschaut wie ein “g” bedeutet, weiss ich nicht. Vielleicht kann jemand vom Forum uns mitteilen, was dieser Buchstaben (oder Zeichen?) soll.

Die 34 davor gibt die Differenz gegenüber dem Normabsttand Kegelrad zu Tellerrad an, letztlich also die Distanz, die der Triebling zur Achse des Tellerrades aufweisen muss, um minimale Geräusche und Vibrationen von sich zu geben.

und schliesslich noch die andere Inschrift:



Das “O” weist auf die Oerlikon Verzahnung des Triebsatzes hin. Gebräuchlich sind bei herkömmlichen Auto-Getrieben die Klingelnberg-, Gleason-, und Oerlikon-Verzahnung, wobei Oerlikon weitgehend dem Klingelnberg entspricht. Die genauen Unterschiede zwischen den einzelnen Verzahungsformen sind difficil und in hohem Grad geometrisch und mathematisch.

Die Zahl 738 weist auf die Achsübersetzung hin, die in unserem Falle 7:38 beträgt

Schliesslich entfernte ich noch die Lager der Flanschwelle im hinteren Getriebegehäuse und das Nadellager in der Flanschwelle:





Somit bin ich mit der Beschreibung der Reparatur beim Stand von heute angelangt. Nun heisst es einerseits warten auf die Bestellung der Ersatzteile bei Bullihütte.de, andererseits warten auf die Spezialwerkzeuge die Siegi bei sich herstellt (nochmals vielen Dank). Wenn alles eingetroffen ist, kanns weitergehen.

Morgen wird zudem noch die lupengenaue Inspektion aller Getriebe Teile auf eventuelle Haarrisse stattfinden. Bleibt zu hoffen, dass da nicht noch etwas haarsträubendes ans Tageslicht kommt.