Nach Rumänien mit dem VW Bus T3

Nachdem der Sommer 2021 nicht gerade zu den Besten gehörten, entschieden wir uns kurzfristig unsere 3 Wochen Sommerurlaub in Rumänien zu verbringen, da dort die Wettervorhersage am Besten war und es auch nicht zu heiss war wie z.B in Griechenland.

Mir hat das Land so gut gefallen, dass ich euch gerne einen kurzen Reisebericht präsentieren möchte, als Inspiration für Eure Ferienplanungen!
In dem Sinne, «Drum Bun» (Rumänisch für Gute Fahrt, Wortwörtlich: Gute Strasse)

Tag 1, Start am Samstag
Mit einem zweiten VW Bus im Schlepptau gings los. Via Liechtenstein, Österreich zum Pragsler Wildsee. Dort ein kurzer Stopp, und dann gleich weiter in die Dolomiten nach Misurina zu den Drei Zinnen. Dort haben wir uns entschieden nicht auf dem Camping zu übernachten, sondern haben schon am Abend die Fahrt hoch zum Rifugio Auronzo unter die Räder genommen. Dort darf man Über Nacht Bleiben, die WC Anlage ist allerdings nur tagsüber geöffnet.

Tag 2
Wir starteten sehr früh unsere Wandertour um die Drei Zinnen herum (0700 los), das kann ich auf jeden Fall empfehlen. Die Wanderroute war aber auch dann schon gut besucht. Nach einer kurzen Stärkung in der Dreizinnenhütte gings wieder zurück.
Gegen Mittag zogen wir dann auch weiter und fuhren via den Sella Carnizza nach Slowenien. Dieser Pass ist nichts für Schwache Nerven, oben gönnten wir uns und den Bussen erstmal eine Pause! Wer Kurven und Enge Strasse mag, wird das lieben. Man muss X-Mal zurücksetzen um kreuzen zu können.
Unser Tagesziel war der «Kajak Kamp Toni» in Bovec, Slowenien. Es gibt dort verschiedene Camping-Plätze alle am selben Ort – und sehr bunt gemischtes Publikum.

Tag 3
Heute war schlechtes Wetter angekündigt, so waren wir etwas unschlüssig was wir machen sollten. Nach dem Motto «Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung» haben wir uns entschieden, den Soca Fluss solange hochzuwandern bis wir nicht mehr konnten. Das Wetter hielt, und die Wanderung war ein absoluter Traum, allerdings mit vielen Hängebrücken. Wir gingen rund 15 KM Flussaufwärts. Wir entschieden uns noch eine weitere Nacht hier zu verbringen.

Tag 4
Am Vierten Tag begaben wir uns über den Vršič-Pass (49 Spitzkehren!) nach Bled, zum Lac Bled. Dies ist auch ein Touristenmagnet, so haben wir uns auf dem 5 Sterne Riesen Camping «Sobec» niedergelassen und sind zum See gewandert. Den Abend liessen wir dann gemütlich ausklingen.

Tag 5/6
Am 5ten Tag trennten sich unsere Wege, der blaue Bus fuhr wieder Richtung Heimat, und wir konnten endlich mit dem Kilometerfressen beginnen. Als Tagesziel hatten wir den Camping Carina, in Balatongyörök (Ungarn). Dort sind wir auch wohlbehalten angekommen.
AM 6ten Tag entspannten wir einen Tag am Lac Balaton. Gottseidank war schon die Nebensaison und es war schön ruhig. Am Abend noch lecker gegessen und uns gestärkt für den nächsten Tag

Tag 7
Ein Städteausflug darf natürlich nicht fehlen! Wir besuchten Budapest, und schlenderten durch die Gassen. Abends besuchten wir in Egerszalók die Sódomb, eine sehr spezielle Salzformation welche wir sonst nur aus den USA oder Island kennen. Da es dort auch öffentliches kleines Thermalbad hatte, blieben wir gleich dort und übernachteten auf dem Parkplatz. Man darf bis 0100 Uhr im Bad bleiben, perfekt.

Tag 8
Endlich überquerten wir die Grenze zu Rumänien über die Autobahn. Diese war dann allerdings auch direkt nach der Grenze fertig, weiter gings auf Nationalstrassen, das ist aber der absolute Hammer, denn genau so sieht man etwas vom Land und den Leuten. Durch kleine Dörfer, hübsche Städtchen, einsame Felder, auf guten sowie schlechten Strassen erreichten wir dann unser Tagesziel, die Salina Turda. Ein Salzbergwerk dass in einen sehr surrealen unterirdischen Freizeitpark umfunktioniert wurde, der «erste Stock» mit Riesenrad im UG war über 16 Stockwerke zu erreichen, und das Zweite UG über weitere 16 Stockwerke – mit See und Bootsvermietung. Absolut Crazy, aber interessant. Nacher gings weiter zum Camping Doua Lumi in Blajel, bei ausgewanderten Holländern im Garten mit sehr warmen (und schnapsigem) Empfang

Tag 9
Das Wetter war heute mal so richtig mies, es hat geschüttet wie aus Kübeln. Wir fuhren aber trotzdem nach Sighișoara, eine noch vollkommen bewohnte Stadt aus dem Mittelalter, welche zum Unseso Kulturerbe gehört. Hier besuchten wir auch das überaus kitschige, aber trotzdem lohnenswerte «Zimmer von Dracula» mit Schauspielern die einem erschreckten.
Nun hiess es weiter Kilometer machen, das Ziel war der Campingplatz Vulkanii Mari, in der Nähe der Schlammvulkane von Berca. Dieser Camping war einer der schönsten, man konnte frei stehen, es gab eine sternenklare Nacht.

Tag 10

Die heisse Spätsommerliche Sonne weckte uns früh, das Wetter war phänomenal. Also gleich auf den Schlammvulkanen, auch ein Phänomen dass wir nur aus Island oder USA kannten. Es war schön mal wieder solche zu sehen.
Danach hat uns die Sehnsucht nach dem Meer gepackt, und uns entschlossen heute ans Schwarze Meer zu fahren. Also, los! Ziel: Camping Hacienda in 2 Mai (der Ort heisst wirklich so)

Tag 11

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen von Sun, Fun and nothing to do – ab an den Strand. Leider waren wir von diesem enttäuscht, es war Liegestuhl an Liegestuhl, voller Abfall und ein kompostartiger Gestank der Algen. Da wir bereits im Voraus zwei Nacht bezahlt haben, machten wir uns auf dem Campingplatz einen schönen Abend und sinierten wo’s weiter hingehen sollte. Wir entschieden uns für….

Tag 12/13/14

VAMA Veche. Das ist der südlichste Abschnitt des Meeranschlusses von Rumänien, und ist ein altes Fischerdorf. Leider – so stands im Reiseführer – kamen hier auch die grossen Hotelbauten und Touristenströme aus Bulgarien und der Hauptstadt her. Nichts desto trotz wollten wir uns das anschauen. Wir waren derart positiv überrascht, dass wir gleich 4 Tage blieben.
Am nördlichen Strandabschnitt war alles noch wie früher, sehr offene, entspannte Leute, chillige Strandbars, feine Fischrestaurants.
Im Süden waren dann tatsächlich vereinzelt grössere Hotels oder moderne Strand-Clubs vorhanden.

Wir genossen dort einfach die Zeit, und hatten den wohl besten Stellplatz den man haben kann. Das war ein Zufallstreffer, gerne leite ich die Nummer der Ansprechperson weiter, es ist nämlich sein Vorgarten, er wohnt in einem alten Bürocontainer.

In Vama Veche kann man alles haben, 24h Partys, ruhige Strandabschnitte mit Klassischer Musik (auch 24h), der Strand ist schön und sauber und gegessen haben wir auch immer super.

Tag 15
Es hiess Abschied nehmen von diesem herrlichen Flecken Erde, hier ist die Welt noch in Ordnung, hat man das Gefühl. Aufs Wochenende kamen dann aber tatsächlich die Jungen aus der Hauptstadt und es wurde wilder und lauter.

Wir entschieden uns direkt der Küste entlang auf einer gefühlt schnurgeraden Strasse zu unserem nächsten Stopp zu fahren, dem Donaudelta. Dieses kann man nur mit dem Boot besichtigen, und alle empfehlen einem Tulcea als Ausgangspunkt. Da dies uns aber zu touristisch war, begaben wir uns nach Murighiol, wo wir uns auf dem Camping Salcia niederliessen. Dort wurde uns dann eine private Bootstour für den nächsten Morgen um 0600 Uhr organisiert, und wir wurden zum Essen und Trinken eingeladen. Was ein lustiger Abend….!

Tag 16
Um 06:00 Uhr wurden wir von dem Guide abgeholt und zur Donau gefahren. Es macht Sinn die Tour am Morgen früh zu wählen, man ist dann ganz alleine auf der Donau und die Natur ist am Erwachen. Es war wirklich Hammer, der Guide zeigte uns verschiedene Vögel, auch Pelikane. Nur schon die Natur dort – ein Traum.

Um 10:00 Uhr waren wir wieder auf dem Platz, und packten unsere Sachen – nun mussten wir bereits in die westliche Richtung fahren. Wir wählten die Strecke via Brăila, um auch noch mit der Donau-Fähre zu fahren. Ich mag Fährfahrten ja irgendwie! Weiter gings dann durch den Golul Lepșei, wo wir auch einen Bären am Strassenrand antrafen.
Übernachtet haben wir auf dem Camping Honigberg in einem Klosterinnenhof, sehr empfehlenswerter Campingplatz.

Tag 17
In Transilvanien darf natürlich ein Besuch des Dracula Schlosses nicht fehlen, Schloss Bran. Auf der Standarttour erfuhr man gar nichts über die Geschichte (er war ja nicht mal vor Ort, Vlad der Pfähler…) aber marketingtechnisch hatten die aus den Vollen geschöpft. Es war derart voll, dass ich sogar vom Besuch abraten würde.

Die nächste Etappe sollte die Transfăgărășan sein, da es aber wieder ein paar Kilometer dahin war, fuhren wir zum Camping Curtea de Arges, der schönste Platz auf der ganzen Reise. Abends gemütlich am Feuer mit jungen Büsi auf dem Arm den Abend ausklingen lassen… Was will man mehr.

Tag 18

Die Transfăgărășan ist eine sehr beliebte Strecke bei Motorradfahren und allen anderen, deshalb war auch ziemlich was los. Die Strecke ansich ist für uns Schweizer nicht allzu spektakulär, trotzdem wollte ich sie unbedingt fahren. Oben angekommen trifft man auf den Baleasee, den wir noch kurzerhand umwandert haben, sowie ein Heer an Essens- und Souvenirständen. Auf der anderen Seite wieder runter, Tagesziel: Camping Ananas bei Sibiu.

Tag 19

Nach einem Besuch der Stadt Sibiu gings weiter zu den Râpa Roșie, die roten Felsen. Hier konnte unser Sternli sich im Offroad unter Beweis stellen. Es hat sich aber auf jeden Fall gelohnt.

Und weil wir noch nicht genug Kurven hatten, fuhren wir noch ein Teilstück der Transalpina, welche mir fast besser gefallen hat als die Transfăgărășan. Übernachtet haben wir hinter dem Restaurant Chalet Obârşia Lotrului in traumhafter Kulisse, man könnte meinen wir sind in Kanada gelandet.

Tag 20 / 21

Nun hiess es zack zack, wir haben noch viel zu fahren. Heute fuhren wir wieder nach Ungarn, um einen wunderschönen Abend am besonderen Camping Pálmonostora, Chy-Kara Farm zu verbringen. Das ist echt ein Platz für Büsslifans, die Betreiber sind extrem Fan von so alten Kisten, wir sassen stundenlang mit ihnen auf der Veranda und philosophierten über alles Mögliche.

Am nächsten Morgen gings weiter Richtung Linz, Österreich. Dort noch ein lecker Schnitzel und am Samstag dann wieder nach Hause.

Fazit der Reise:
Rumänien – wir kommen wieder.
Es gibt noch so viel schönes zu sehen. Die Leute sind sehr freundlich und offen, man kommt immer sofort ins Gespräch, meist englisch, selten auch Deutsch.

Es hat (noch) fast keine Touristen im ganzen Land, die Campingplatz Struktur ist tiptop. Auch gegessen haben wir immer super.

Man muss sich etwas an den Fahrstil der Einheimischen gewöhnen, und keine Angst vor Schlaglöchern haben – also mit dem Tiefergelegten Bus ist es nicht empfehlenswert.

Wir fühlten uns stets sehr sicher und willkommen.

Es ist nun doch etwas mehr Text geworden als geplant! :blush:

Ich hoffe, ich konnte Euch etwas inspirieren, wenn ihr Fragen habt, einfach Fragen! :slight_smile:

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Super Reisebericht! Macht direkt Lust nach Rumänien zu fahren!

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Super Bericht! Vielen Dank :slight_smile:

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Super Bericht, merci. Wir sind von Slovenien über den Bella Carnizza getuckert. Meine Beifahrerin meinte ich soll nicht so schnell fahren, das Navi zeigte 15 kmh :wink:

Liebe Grüsse
Oli

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Danke für den sehr schönen Reisebericht über ein mir ziemlich ungekanntes Land! War kurzweilig zu lesen.
:heart_eyes: :+1:

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Fantastisch! Bilder und Text machen Lust auf mehr :wink: :clap:

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Ich kanns wirklich nur empfehlen, wir gehen definitiv wieder hin um den Südwesten noch etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Im Norden gäbs auch noch viel, Weinanbaugebiete, Dampflokomotiv-Strecken und natürlich ein Abstecher nach Moldawien! :slight_smile:

Das war aber noch schnell - ich blieb teilweise im Ersten Gang, selten in den Zweiten! :slight_smile: Aber von der italienischen Seite aus.

Hier noch ein typisches Bild vom Strassenverkehr:

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Hier noch ein paar Schnappschüsse meinerseits… war wunderbar


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sehr cool! :smiley: Danke!